Digitale Plattformen und ERP – Teil 7: Ohne standardisierte Schnittstellen keine Vernetzung

Schon heute existiert eine Vielzahl von (branchenorientierten) Marktplätzen und Plattformen. Diese vermitteln im Wesentlichen Waren zwischen Endkunden und Herstellern bzw. Lieferanten. Das betrifft sowohl B2B- als auch B2C-Angebote. Ein Beispiel ist die myopenfactory-Plattform (↗ https://www.myopenfactory.gmbh/). Sie bringt Kunden und Lieferanten vornehmlich im Maschinen- und Anlagenbau zusammen und soll möglichst von vielen Anbietern von ERP- oder Warenwirtschaftssystemen unterstützt werden.

Es ist zu erwarten, dass mit der fortschreitenden Digitalisierung und den entstehenden Wertschöpfungsnetzwerken weitere Intermediäre entstehen. Eine vernetzte Ökonomie lebt von der Möglichkeit Leistungen anzubieten, die dann auch von den potenziellen Kunden gefunden werden. Der konsequente nächste Schritt wäre dann die auftragsorientierte (dynamische) Vernetzung von Unternehmen über Plattformen. Aufgabenstellungen hier sind zum Beispiel Lieferkettensynchronisation, Projektsteuerung, Abwicklung von Bestellungen und Abrechnungen oder auch Dokumentation und Traceability. Ebenso entstehen technische Integrationsplattformen. Hierbei geht es sowohl um die direkte Auftragsabwicklung (z. B. Electronic Data Interchange, EDI) als auch um die Vernetzung mit Feldgeräten, IoT-Devices oder kompletten Produktionsanlagen. Die ERP-Systeme – als Backbones der Auftragsabwicklung in den Unternehmen – müssen sich mit den Plattformen vernetzen können. Dies funktioniert umso besser, je standardisierter die Zugänge (APIs) gestaltet werden. Genau darin besteht jedoch eine große Herausforderung. Denn während sich technische Lösungen, wie (Internet-) Kommunikation oder Security, relativ schnell umsetzen lassen, sind bei der inhaltlichen Ausgestaltung noch weitreichende Standardisierungsmaßnahmen notwendig.

Es existiert heute bereits eine Vielzahl an Standards und Beschreibungsformen für Kataloge, die Identifikation von Firmen und Produkten, Austauschformate oder die Klassifikation von Produkten und Transaktionsstandards. Sie alle sind ausgerichtet auf das Suchen, Finden, Bestellen, Liefern und Abrechnen von Waren und Dienstleistungen im Rahmen von längerfristigen Kunden- und Lieferantenbeziehungen.

Die auftragsorientierte und ggf. temporäre Vernetzung von Unternehmen steckt dagegen noch in den Kinderschuhen. Hierzu fehlen etablierte Standards und darauf aufsetzende Plattformen. Erste Ansätze werden aktuell in einem Projekt aus zwölf Instituten der Fraunhofer Gesellschaft unter Führung des ISST (Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik) erarbeitet. Bei dem durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt »Industrial Data Space« (↗ http://www.industrialdataspace.org/) geht es um die Bereitstellung sicherer Datenräume und die Unterstützung von Prozessen in der Produktion und Logistik und damit letztendlich auch um die Integration mit ERP- und ME-Systemen.

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Karl Tröger

Über Karl Tröger

Karl M. Tröger verantwortet als Business Development Manager die strategische Ausrichtung des Produktportfolios der PSI Automotive & Industry GmbH. Auf Basis seiner nationalen und internationalen Stationen in der Fertigungs- und High-Tech-Industrie, stellt er jetzt das Bindeglied zwischen Kunden, Markt, Wissenschaft und dem Software-Engineering und Marketing dar. Nach seinem Studium der Elektronik und Nachrichtentechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin sammelte er seine Erfahrungen als Entwicklungsingenieur für Automatisierungsanlagen, als Senior Product Engineer bei einem kanadisch-israelischen Telekommunikations-Konzern, als IT-Projektleiter bei ERP-Anwendern sowie seit 1998 in verschiedenen Positionen im Zusammenhang mit der Vermarktung und Entwicklung der ERP- und MES-Lösungen bei der PSI Automotive & Industry. Einen besonderen Schwerpunkt stellt heute die Integration Industrie 4.0 tauglicher und anwenderorientierter Konzepte in das Softwareangebot dar. Die Ergebnisse richtungsweisender Forschungsprojekte und die entstehenden Anforderungen an die „Fabrik der Zukunft“ fließen so auch frühzeitig in die Produkte der PSI Automotive & Industry ein.

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