Die Zukunft von ERP im Kontext von Industrie 4.0 – Teil 1: ERP als Integrations-Hub

Ohne ERP-Systeme als zentrale Softwareplattform und integrierendes Element werden Ansätze zu Industrie 4.0 Insellösungen bleiben. So sind ERP-Systeme im Kontext von Industrie 4.0 als Integrations-Hub, der die »Connected World« mit smarten Objekten und dem Shop-Floor mit Cyber Physical Systems verbindet, anzusehen. Dabei filtert und klassifiziert das ERP-System die Daten und gibt sie an die nachgeordneten Systeme weiter. Neben dieser Rolle als Datendrehscheibe fungiert ERP auch als eine Art Dolmetscher, indem es zusätzliche semantische Informationen mitliefert, um die Daten im Sinne von Kontext, Status und Prognosen interpretieren zu können. Zudem integriert ERP-Software Business-Software-Anwendungen (horizontal und vertikal, unternehmensintern und -übergreifend) und orchestriert deren Zusammenspiel mit Hilfe der hinterlegten Geschäftslogik. Hinzu kommt die vertikale Integrationsleistung der ERP-Systeme sowohl nach oben in die Connected World, zu PLM-Funktionen und anderen Plattformen, als auch nach unten zu den Manufacturing Execution Systems (MES-Systemen) auf der Fertigungsebene. Je nach Branche und Anwendungsfall des Anwenderunternehmens ergeben sich unterschiedliche Integrationstiefen: Entweder übernimmt das ERP-System bestimmte Funktionen des Manufacturing Execution Systems (MES) selbst, oder ein eigenständiges MES wird mit dem ERP-System integriert und synchronisiert. ERP-Systeme stellen somit eine leistungsfähige Plattform für den Transport, die Speicherung, Aggregation und Selektion der Daten dar. Dazu reicht je nach Technologiebasis des eingesetzten ERP-Systems bereits heute die zugrundeliegende ERP-Architektur, oder sie muss durch eine zusätzliche Middleware-Schicht (zum Beispiel durch IoT-Plattformen als Cloud Services) bereitgestellt werden. ERP-Systeme als zentrale Instanz stellen sicher:

  • Nötige Betriebswirtschaft und die Verbindung von Waren- und Wertefluss
  • Softwarefunktionen zur Abbildung nahezu aller Unternehmensprozesse
  • Planungsfunktion
  • Stammdaten-Hoheit
  • Schnittstelle zum Kunden
  • Schnittstelle zur Cyber-physischen Welt

Damit erhalten ERP-Systeme eine deutlich erweiterte Aufgabe als Integrations-Hub.

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Über Dirk Bingler

Der diplomierte Wirtschaftsinformatiker Dirk Bingler ist Vorsitzender des Arbeitskreises ERP im BITKOM. Hauptberuflich ist er Sprecher der Geschäftsführung der GUS Deutschland GmbH und verantwortlich für das Software-, Beratungs- und Servicegeschäft des Kölner ERP-Spezialisten für die Prozessindustrie mit über 170 Mitarbeitern in Deutschland. Bingler startete seine Karriere 1997 bei der Siemens AG, wo er in den folgenden 6 Jahren verschiedene IT-Management-Aufgaben in Deutschland und USA übernahm. 2003 wechselte Bingler vom Großkonzern in den Mittelstand zur Samhammer AG in Weiden. Als Vice President eBusiness baute Bingler erfolgreich das Geschäft für eine cloudbasierte After-Sales-Service-Suite auf bevor er Anfang 2011 zur GUS wechselte.

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